Jürg Orfei – Reisebüro Erker 2

 

Ein Atelier des imaginären Reisens

Jürg Orfei, Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule Olten und studierter Architekt erzählt: „Für die Bespielung des KKO während eines Monats stelle ich mir vor, selbst ein Reisender zu sein, der den Bahnhof jedoch nicht verlässt, sondern im Bildkasten seine Reisen ausmalt – sozusagen Möglichkeiten durchspielt, die hier am Bahnhof ausgedacht werden können, eine Weiterführung meiner Arbeit im Rahmen der Ausstellung ‚Voyage, voyage!‘ (2017) im Kunstmuseum Olten. Meistens wird im Schaufenster nur ein kleines Tischchen, ein Stuhl, eine Lampe, Zeichenutensilien und ein Koffer mit Büchern und Karten sichtbar sein. An den schwarzen Wänden sind lauter A5-MDF-Platten angebracht. Wie ungebrannte Kacheln hängen sie da, wie einzelne Karten im Raster der Längen- und Breitengraden. Ab und zu aber sieht man den Reisenden, mich, an seinem Tisch, der eine Platte von der Wand genommen hat und im Begriff ist, sie zu kartografieren, also seine fiktive Reise darauf zu projizieren. Stück für Stück werden die Platten zu Trägern von Gedankenspuren.“

„Ein ‚intellectual friend‘ dieser Arbeit, ist die Installation ‚Healing with Paintings‘ von Ilja Kabakov in der Kunsthalle Hamburg. Die Situation lädt ein, sich in eine Nische zu begeben, wo Kunstwerk, Vermittlung und Raum nicht mehr klar getrennt sind und sich im Kopf eine angenehme Freiheit bequem macht. Man kann die Räume mit den Betten und Bildern nicht betreten – sie wirken aber belebt und man hat das Gefühl, dass hier Kunstwerke gebraucht werden.“

„Meine Idee basiert wiederum auf meinem künstlerischen Schaffen, das sich seit 20 Jahren um die Begriffe der Raumrelativität und ‚Café is important‘ dreht. Der eine Begriff beschäftigt sich mit dem Phänomen, sich durch die Atmosphäre eines Ortes in einem anderen Ort zu wähnen, sich gewissermassen geistig eine räumliche Wahlverwandtschaft aufzubauen und zu erkennen, dass die empfundene Realität in einer ästhetisch-physischen Zwischenwelt anzusiedeln ist. Der andere Begriff hat mit dem Ort ‚Café‘ zu tun, also dem Kaffeehaus. Dieses ist nicht nur in Wien ein Scharnier zwischen Architektur und Stadt, zwischen privat eingerichteter Arbeitsstube und öffentlichem Treffpunkt. Das ‚Café‘ ist überall möglich und hat für die Arbeit unterwegs, gerade für das Pendeln zwischen Imagination und Realität, grosse Bedeutung.“