Laurin Buser siegt am zweiten "laut&deutlich" Slam der Saison 09-2010

Ein Feuerwerk der Worte bot sich den Zuschauern des «laut&deutlich»-Poetry Slams vergangenen Freitag im Kulturzentrum Schützi. 12 Dichterinnen und Dichter, darunter zum ersten Mal in Olten ein Slam-Team, buhlten mit witzigen, nachdenklichen, tiefgründigen oder selbstoffenbarenden Texten um die Gunst des Publikums. Es war der zweite Poetry Slam der vierten «laut&deutlich»-Trilogie der art i.g., Plattform für Kunst und Kultur Olten, der in der Schützi über die Bühne ging. Die angetretenen Slammer und Slammerinnen kämpften nicht nur um den Sieg dieses Abends, sondern sie konnten auch Punkte holen für den Gesamtsieg dieser Trilogie. Moderiert wurde der Abend vom bewährten Duo Etrit Hasler & Fabienne Käppeli. Die Einmann-Begleitband «Los Bandidos Minirock» aus Zürich bestach durch witzige Songs mit Gitarre, Loops, Rassel und Mundharmonika und sorgte für das passende Rahmenprogramm. Doch im Mittelpunkt standen die zwölf Wortakrobaten und Dichterinnen, welche mit ihren Texten um die Gunst der rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauer buhlten. Mit ihren langen und kurzen, ironischen, tiefsinnigen oder komischen Beiträgen brachten sie das Publikum zum Lachen, Nachdenken, Schmunzeln, Stirnrunzeln, zum Johlen oder Buhrufen. Eine Jury aus dem Publikum bewertete jeden Auftritt mit Noten zwischen 1 und 10. Remo Zumstein aus Burgdorf, der Sieger des letzten «laut&deutlich»-Slams im November, trat als erster auf die Bühne und betrachtete das Leben aus Sicht der Tiere „Igu Tiere si Fründe“. Michèle Friedli aus Bern berichtete von der «Problemzone Leben» und dem Frust des dreissigsten Geburtstages. Um die Liebe ging es bei Marcel Baumgartner aus Wil und der Lokalmatador Kilian Ziegler aus Trimbach, der aus der letzten Trilogie 2008/2009 als Sieger hervorgegangen ist, versuchte seinen Titel mit einem Text über den Mikrokosmos Bar zu verteidigen. «Sogar die Kante muss man sich selber geben», stellte er fest und fragte sich, ob eigentlich schon mal jemand den Mac-Gründer veräppelt habe. Eine Rekord-Bewertung von sechsmal 10 Punkten holte Laurin Buser mit seinem Text über einen «bad day». Seine schnellen Texte entführte in Internetwelten und endete mit einem Kompliment einer Zugspassagierin „So freundlich hat noch nie jemand reagiert – als ich ihn bat, die Musik leiser zu stellen“. Auch das Publikum meinte es freundlich mit ihm - der Einzug ins Final war ihm sicher. Valerio Moser aus Langenthal: berichtete aus den Augen eines „Hobbyschlägers“ mit der Aussage „es ist doch nur Spass – bitte lach mit“. Aus Berlin angereist war Tilman Birr, der davon erzählte, dass er mit seiner Liebsten Kaffee trinken und in weiche Kissen sinken möchte. Das Slam-Team «Grossraumdichten» aus Stuttgart, bestehend aus Tobias Heyel und Pauline Füeg, suchte nach einer Möglichkeit gegen die Gleichgültigkeit. «Wir hätten, wir wären, wir möchten doch», das liegt schwer auf den Schultern – «wir wollen etwas, das bleibt». Der Berner Sam Hofacher erzählte, wie er vom Altruisten, der die Hälfte seines Lohnes gemeinnützigen Organisationen spendete und jedem Fussgänger selbstlos den Vortritt liess, dank einer Selbsthilfegruppe wieder zu einem ganz normalen Menschen wurde. Simon Chen aus Zürich überzeugte mit einem bissig-ironischen Text über politische Korrektheit. Bei seiner Erörterung der Frage «Was darf man sagen, was nicht?» zeigte er Klischees und Vorurteile auf und konstatierte: «Solange ihr lacht, bin ich politisch korrekt». Um Rückweisungen und Enttäuschungen ging es bei Gabriela Diriwächter aus Aarburg. Sie schloss, dass es vermutlich besser wäre, wenn man nicht immer die Wahrheit sagen würde. «Ich werde in Zukunft nur noch lügen. Vielen Dank, ihr ward ein super Publikum…» Im Finale standen schliesslich Laurin Buser, Tilman Birr und Simon Chen. Letzterer machte sich das Januarloch zum Thema. Man solle darüber nicht verzagen, denn ein Blick in den Duden zeigt, dass «Loch» auch für «Öffnung» steht und nach Füllung ruft: «Halten wir es wie mit der Weihnachtsgans und stopfen es!». Tilman Birr überliess die Wahl des Textes dem Publikum, welches einen Hasstext wünschte. Zielscheibe dieses Textes war der deutsche Komiker Mario Barth und seine Fans „die Fans sind schlimmer als Terroristen – sie könnten überall lauern“. Laurin Buser überzeugte das Publikum mit einem Text über den eigenen Rhythmus, die Welt, die im Schnelllauf – Leerlauf – an einem vorbeisaust, während man selber wie ein Pingpongball durchs Leben rast, beamt, zappt und am Leben vorbeirauscht. Der Basler heimste den grössten Applaus ein, was ihn zum Gewinner dieses Poetry Slams machte. Als Sieg winkten ihm die bewährte Flasche Whisky. Damit bleibt die Ausganglage über den Gesamtsieg der vierten Trilogie weiterhin spannend Laurin Buser und Remo Zumstein führen die Trilogie an, gefolgt von drei Slammern auf dem zweiten Rang. Der Slam vom 12. März wird somit die Entscheidung werden.
Photoeindrücke des Abends hier  
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